Stromausfall im Seelisbergtunnel: Was passiert, wenn die Technik ausfällt?

Fällt im Seelisbergtunnel die Stromversorgung aus, sind zahlreiche technische Anlagen betroffen. Beleuchtung, Signalisation, Überwachung und weitere Systeme benötigen elektrische Energie. Wie wichtig eine zuverlässige Versorgung ist, zeigte sich im August 2026. Nach einem schweren Unfall beim Südportal kam es zu einem Stromausfall, worauf der Tunnel zunächst vollständig gesperrt werden musste.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Technik im Seelisbergtunnel auf Strom angewiesen ist, wie wichtige Systeme bei einem Ausfall weiter versorgt werden und warum trotz Notstrom eine Sperrung notwendig sein kann.

Ohne Strom ist ein normaler Tunnelbetrieb nicht möglich

Im Hintergrund eines Strassentunnels arbeiten zahlreiche Anlagen, die den Verkehr überwachen und bei einem Zwischenfall wichtige Aufgaben übernehmen.

Energie benötigen unter anderem Beleuchtung, Signalisation und Teile der Lüftung. Hinzu kommen Videoüberwachung, Brandmeldeanlagen, Notrufsysteme sowie Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen.

Nach Angaben des Bundesamts für Strassen (ASTRA) ist ein sicherer Normalbetrieb eines Nationalstrassentunnels ohne ausreichende Stromversorgung nicht möglich. Für Störungen sind deshalb zusätzliche Versorgungssysteme vorgesehen.

Notstrom hält wichtige Funktionen aufrecht

Damit bei einem Stromausfall nicht die gesamte Tunneltechnik gleichzeitig ausfällt, verfügen Schweizer Nationalstrassentunnel über Notstromsysteme. Eine wichtige Rolle spielt dabei die unterbrechungsfreie Stromversorgung.

Gemäss den technischen Vorgaben des ASTRA können darüber je nach Tunnel beispielsweise Teile der Beleuchtung, Ampeln und Fahrstreifensignale sowie Einrichtungen für Videoüberwachung, Brandmeldung und Kommunikation versorgt werden.

Ein Stromausfall bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass der Tunnel sofort vollständig dunkel wird. Bestimmte Funktionen bleiben zunächst verfügbar. Die Ersatzversorgung ist jedoch nicht für einen uneingeschränkten Dauerbetrieb vorgesehen, sondern soll vor allem die Sicherheit während einer Störung gewährleisten.



Warum der Tunnel trotzdem gesperrt werden kann

Ob der Verkehr weiterlaufen darf, hängt davon ab, welche Anlagen von der Störung betroffen sind. Eine funktionierende Beleuchtung allein reicht dafür nicht aus.

Besonders wichtig ist beispielsweise die Lüftung. Bei einem Brand muss Rauch kontrolliert werden können. Auch Flucht- und Rettungsbereiche sind auf technische Einrichtungen angewiesen, damit sie im Ernstfall wie vorgesehen genutzt werden können.

Das Bundesamt für Strassen weist darauf hin, dass eine Sperrung erforderlich sein kann, wenn bestimmte Sicherheitssysteme nicht zur Verfügung stehen. Dazu gehören unter anderem Anlagen für die Brandlüftung oder die Belüftung von Sicherheitsbereichen.

Selbst wenn ein Tunnel weiterhin beleuchtet ist, kann eine Schliessung deshalb notwendig sein. Entscheidend ist der Zustand der gesamten technischen Infrastruktur.



Der Stromausfall im Seelisbergtunnel im August 2026

Wie weitreichend ein Schaden an der Energieversorgung sein kann, zeigte ein schwerer Zwischenfall am Seelisbergtunnel im August 2026.

Nach Angaben des ASTRA kollidierte ein Fahrzeug nahe dem Südportal mit der Lüftungszentrale Büel und geriet anschliessend in Brand. Das Feuer beschädigte Teile der elektrischen Infrastruktur. Dadurch war die Energieversorgung beeinträchtigt und wichtige Einrichtungen standen nicht mehr vollständig zur Verfügung.

Der Seelisbergtunnel blieb daraufhin zunächst in beiden Fahrtrichtungen geschlossen. Techniker untersuchten die Schäden, führten Reparaturen durch und richteten Übergangslösungen ein.

Dabei genügte es nicht, lediglich die Stromversorgung wiederherzustellen. Auch Steuerungs-, Überwachungs- und Signalisationssysteme mussten kontrolliert werden. Nach Reparaturen wurde geprüft, ob die benötigten Funktionen wieder zuverlässig arbeiteten.

Noch am selben Tag konnte der Verkehr schrittweise zurückkehren. Die Nordröhre stand wieder vollständig zur Verfügung, während in der Südröhre zunächst Einschränkungen bestanden. Einzelne technische Ausfälle konnten vorübergehend überbrückt werden.



Was Autofahrer von einem Stromproblem bemerken

Die technischen Abläufe selbst bleiben für Verkehrsteilnehmende meist unsichtbar. Bemerkbar macht sich eine Störung vor allem durch Änderungen der Verkehrsführung.

Elektronische Anzeigen können eine niedrigere Geschwindigkeit vorgeben, einzelne Fahrstreifen werden geschlossen oder die Tunneleinfahrt bleibt vollständig gesperrt. Bei grösseren Ereignissen übernehmen zusätzlich Polizei oder Betriebspersonal die Verkehrsregelung.

Rote Signale, geschlossene Schranken und andere Absperrungen müssen unbedingt beachtet werden. Ob im Hintergrund beispielsweise Lüftung, Kommunikation oder Überwachung funktionieren, lässt sich aus dem Fahrzeug heraus nicht beurteilen.

Gerade der Vorfall im August 2026 zeigt, warum eine Sperrung auch dann notwendig sein kann, wenn Teile der Tunneltechnik weiterhin arbeiten. Erst wenn die entscheidenden Funktionen wieder zur Verfügung stehen, kann der Verkehr sicher durch den Seelisbergtunnel geführt werden.

 

Bildquellen:
Titelbild: rudi_suardi – istockphoto.com
Bild 1: Dragos Condrea – istockphoto.com
Bild 2: puhimec – istockphoto.com
Bild 3: onurdongel – istockphoto.com

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